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protoN glaubt an die Medaille
Knecht  Redakteur: Christian 'Knecht' Murawski
29.05.2009 / 10:30 (GMT+1)

Andreas Krieger aka protoN war im Jahr 2008 ein Teil der deutschen Nationalmannschaft für das Spiel Carom3D. Leider reichte es für den jungen Mann am Ende nur für den ungeliebten vierten Platz, womit leider kein Edelmetall in Carom3D an Deutschland ging.

In diesem Jahr will er es wieder versuchen und es gleichzeitig besser machen. Wie er überhaupt zu Carom3D kam, wie er seine Chance für die WCG 2009 sieht und vieles mehr, erfahrt Ihr in unserem Interview mit ihm.



Carom3D wird wohl vom Hauptteil der eSport-Community eher stiefkindlich behandelt, obwohl es eigentlich ein sehr anspruchsvolles Spiel ist. Wie erklärst du dir das?

Zu aller erst muss man sagen, dass das Billardsport an sich, also echtes Billard, im Allgemeinen nicht gerade zu omnipräsent in den Medien zum Vorschein tritt. Wie soll es erst mit einer Computer-Variante aussehen?

Im Vergleich zu anderen etablierten eSport-Titeln, ist Carom3D noch gar nicht so lange auf dem Markt. In dieser Zeit hat sich aber ein fester Kern der Spieler gebildet, die das Spiel regelmäßig spielen. Viele neue Spieler, die von Carom3D bisher noch nie gehört haben, sehen es als Spiel für Zwischendurch, als sogenanntes Casual-Game. Verständlicherweise wird es dabei bleiben, solange bei Ihnen das Interesse am Billardsport eher gering ist.


Wieso hast du dich denn gerade für Carom3D entschieden?

Auf Carom bin ich eigentlich durch einen Zufall gestoßen. Es war im Jahre 2003, da hatte ich meinen ersten PC bekommen. Internet hatte ich noch nicht, so brachte mir mein Cousin eine Computer-Bild-CD, wo auch Carom3D, Version 2.28 glaube ich, drauf war. Ich war ziemlich beeindruckt von dem Spiel, da es eine vergleichsweise realistische Physik und eine genial einfache Steuerung hatte.

Mit dem Internet konnte ich dann kostenlos gegen Spieler aus aller Welt spielen und immer bessere virtuelle Queues erspielen, die dann neue taktische Möglichkeiten eröffneten. Meine Entscheidung für Carom3D hängt in dem Hinblick nicht mit einer Teilnahme in einer Liga oder eben WCG zusammen. Vielmehr war es das Möglichkeit auch bei schlechtem Wetter oder bei knapper Kasse Billard unter Idealbedingungen zu spielen.


Ich selber würde mich als Carom-Laien bezeichnen, daher interessiert mich, wie genau man dort trainiert, was das Spiel so alles bietet und was einen guten Carom Spieler eigentlich ausmacht?

Das Spiel hat einige Merkmale eines Rollenspiels, und zwar das Rangsystem. Jeder Spieler beginnt mit dem niedrigsten Rang und hat, durch schlechte Werte für den Queue bedingt, erheblich weniger Möglichkeiten technisch raffiniert Stöße auszuführen. Für ein gewonnenes Spiel erhält die Erfahrungspunkte gutgeschrieben und steigt bei einer bestimmter Anzahl Letzteren in einen nächst höherem Rang. Dieser beschert ihm stärkere Stöße oder mehr Effet (Spin) auf die Weiße.
„Das Training“ ist das Spielen gegen zufällige Gegner aus aller Welt (tendenziell aber gegen Brasilianer, aber dazu später mehr ;) Es gibt verschiedene Server, einige sind erst ab einem bestimmten Rang zugänglich. Damit werden neue Spieler von den Erfahrenen sozusagen geschützt, indem sie nur gegen Spieler ähnlichen Ranges spielen können. Ansonsten besteht immer noch die Möglichkeit, mit einem gewünschten Partner abzusprechen und ein paar Runden auf dem Trainingsserver zu spielen.
Einen guten Carom Spieler zeichnet ein solides räumliches Vorstellungsvermögen und das Gefühl für die Stoßkraft aus. Dazu gehört auch das physikalisches Verständnis von simulierten Vorgängen auf dem Tisch (Spinübertragung, Reibung, Trägheit usw). Später spielt die mentale Stärke eine größere Rolle. Dies ist in erster Linie die Fähigkeit sich nicht durch glückliche Stöße, glücklich gewonnenen Runden des Gegners beeinflussen zu lassen. Das alles kommt mit der Zeit.


Es gab auf den Grand Finals ein Vorfall mit dem Regelwerk, der für etwas Aufruhr sorgte. Kannst du uns das auch deiner Sicht noch mal genau schildern und verdeutlichen, welcher Nachteil daraus entstand? Und wie beurteilst du das diesjährige Regelwerk?


Vor den National Finals hieß es im Regelwerk, dass das gespielte Spieltyp 8-Ball sein wird. Entsprechend wurde auf den National Finals nur 8-Ball ausgespielt. Erst danach wurde das Regelwerk verändert und zum 8-Ball war 4-Ball dazugekommen. 4-Ball ist eine Spielart, die auf einem Tisch ohne Taschen gespielt wird (sog. Karambolage-Billard). Diese Spielart ist aber unter europäischen Spieler nicht wirklich verbreitet. Ganz anders sieht es bei Koreanern aus. Der koreanische Spieler KenSin spielt hauptsächlich nur 4-Ball und hatte in diesem Spiel praktisch keine Konkurrenz. Deshalb wurde diese Regeländerung von vielen Spielern als geschenkter Punkt für ihn angesehen. Man könnte zwar einwenden, dass er dagegen in 8-Ball benachteiligt wäre, doch angesichts sehr kleinen Best of’s, spielt es praktisch keine Rolle, da man in 8-Ball verlieren kann, ohne je dran zu kommen.
Das Problem der Best Of – Höhe wird an diesem Beispiel deutlich: auf National Finals betrug das Bo mind. 7 Runden. In Finale waren es Bo19. Dies ist für 8-Ball ein normaler Wert, da man durch etwas Pech oder Glück des Gegners beim Anstoß sehr schnell eine oder andere Runde verliert. Auf Grand Final war dann Best of 3(!) angesagt...
Damit zum jetzigem Regelwerk. Es ist natürlich schön, vorab zu wissen, dass diesmal wieder 8-Ball und 4-ball gespielt werden. Aber das Problem bleibt wie im Vorjahr dasselbe: Im Regelwerk steht nichts über die Höhe des Best of’s.


Wie siehst du denn dann deine Chancen in diesem Jahr bei den World Cyber Games?


Mit etwas Glück und guter Tagesform ist eine Medaille drin, falls ich die Quali schaffe. :)


Welche Erwartungen hast du an die WCG in China?


Eine bessere Kommunikation zwischen den Spieler und Admins. In Köln war es für den einzelnen Spieler schwer durchzublicken wann und wo er spielen muss.
Und natürlich anständige Best of’s.


Im letzten Jahr gab es ein Teamcamp in Zusammenarbeit mit Adidas. Wie bewertest du das Camp rückblickend und würdest du so was gerne noch mal machen?

Für das Team als Ganzes, also disziplinenübergreifend, hat das Teamcamp viel dazu beigetragen, sich gegenseitig kennen zu lernen und Einblicke in die andere Spiele zu gewinnen. Dies steigert die Motivation jeden Einzelnen.

Für mich persönlich liegt das Aufwand/Gewinn – Verhältnis etwas ungünstig. Es hängt vom jeweiligen Spieler ab, ob er durch das Anfeuern zusätzlich motiviert oder unter Druck gesetzt wird. Ich jedenfalls möge es nicht, unter Beobachtung zu spielen :)

Ich danke dir für das Interview!





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