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Heiß auf China!
Knecht  Redakteur: Christian 'Knecht' Murawski
10.08.2009 / 20:30 (GMT+1)

Joshua Begehr, besser bekannt unter dem Nickname 'Kr0ne', konnte sich erstmals bei den WCG National Finals 2009 auf der Games Convention Online in Leipzig für die WCG Grand Finals in Chengdu (China) qualifizieren. Der gebürtige Kieler hatte es schon oft auf die National Finals geschafft, doch scheiterte leider immer kurz vor dem Ziel.

Vom 11. - 15. November wird der 21-jährige Student nun mit dem Deutschen Nationalteam abreisen, um Deutschland ehrenhaft bei den olympischen Spielen des eSport zu vertreten und hoffentlich Edelmetall holen. Grund genug für uns Ihn mal um ein Interview zu bitten, welches wir Euch jetzt präsentieren wollen.




Hallo Joshua, erstmal noch mal herzlichen Glückwunsch zu deiner erfolgreichen Qualifikation für die Deutsche Nationalmannschaft und damit für die WCG Grand Finals in China. Du bist die Jahre zuvor ja oft knapp gescheitert trotz starker Leistungen. Wie fühlt es sich nun an es endlich gepackt zu haben? Konntest du das überhaupt schon alles realisieren? Wie ging es dir vor dem entscheidenden Spiel gegen Daimonde? Und vor allem: Warum denn nicht gleich so?! :)


Es fühlt sich natürlich toll an! Wenn ich die Wahl gehabt hätte, an einem bestimmten Grand Final teil zu nehmen, dann hätte ich mich im Nachhinein immer für China 2009 entschieden. Dementsprechend viel habe ich dieses Jahr auch trainiert, aber dass es sich am Ende auch auszahlt, ist natürlich schön. Ich habe die Erlebnisse vom Wochenende inzwischen auch verarbeitet, bin wieder komplett entspannt und jetzt entsprechend heiß auf China.

Vor dem entscheidenden Spiel gegen daimonde ging es mir entsetzlich *lacht*. Obwohl ich wusste, dass es falsch ist, hatte ich wieder große Angst, die SKler bzw. meine Freunde und alle möglichen Leute bis hin zur Community zu enttäuschen. Ich kann mich nur an wenige Prüfungen in meinem Leben erinnern, bei denen ich derart nervös und angespannt gewesen wäre. Dennis und Daniel hatten den Abend zuvor ihre Tickets ja schon gesichert, ich wusste also, dass ich mit einem Sieg gegen Kevin den Teamerfolg perfekt machen würde. Auch wäre es das erste Mal gewesen, dass ein 3er Team sich komplett qualifiziert. Das war eine Chance, die ich auf keinen Fall vergeben wollte. Es war also das bislang wichtigste Match meiner Fifa-Aktivität.
In den letzten Jahren hat mir mein Kopf einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich glaube, ich wollte mich immer so unbedingt qualifizieren, dass ich mich versteift habe und zu nervös geworden bin. Man kann den Sieg manchmal nicht erzwingen. Über diese Dinge war ich mir dieses Jahr im Klaren und habe da an mir gearbeitet. Obwohl ich wieder nervös war, bin ich wohl reifer geworden, habe in den entscheidenden Momenten den Kopf nicht hängen lassen und nicht aufgegeben als es schlecht aussah. Das hat den Unterschied gemacht.


Wie wirst du dich auf die Grand Finals vorbereiten? Sind umfangreiche Bootcamps mit den FIFA-Twins Hero und Styla geplant?
Wir haben schon vor dem National Final aufgepasst, uns nicht zu überspielen, um eher kreativ zu bleiben und einen klaren Kopf zu wahren.
Unser normales Training hat sich ja bewährt, daher werden wir wahrscheinlich nicht viel ändern und mit einer ähnlichen Vorbereitung in das Grand Final gehen, nur vielleicht noch etwas intensiver als vor dem National Final.


SK hat drei Spieler im Kader und alle drei haben sich für die Grand Finals qualifiziert. So was gab es vorher noch nie! Was macht ihr besser als andere Teams und Spieler?

Dass wir uns alle 3 qualifizieren konnten ist etwas besonderes. Es ist sehr wahrscheinlich eine einmalige Sache und ich bin stolz, meinen Teil zu diesem Erfolg beigetragen zu haben.
Ich glaube, wir verfolgen unsere Ziele einfach konsequenter als andere. Wenn wir uns etwas vornehmen, ziehen wir es bis zu Ende durch. In diesem Punkt haben wir uns getroffen, was einen natürlich noch stärker macht. Wir schweifen also auch nicht ab oder werden unregelmäßig im Training. Das ist wichtig, denn es kann bei Fifa leicht passieren, dass man wegen irgendwelcher Zufallsvariablen an der Spielbarkeit der Version zweifelt. Man denkt dann leicht, dass Spiel würde entscheiden wer gewinnt und manchmal ist es auch so. Aber man darf sich davon nicht beeinflussen lassen, denn wenn man infolgedessen zu viele Trainingspausen einlegt, entstehen Lücken in der Spielanalytik, die früher oder später in einem Turnier bestraft werden. Man muss sich also klar machen, dass es alles irgendwo auch eine Sache von Disziplin ist und man langfristig selbst über Sieg oder Niederlage entscheidet.

Jedenfalls war es meiner Auffassung nach besonders dieses Jahr zu beobachten, dass viele Top Spieler sich nicht genug Mühe gegeben haben. Ich kann auch ein Beispiel geben: Wie können sich gute Spieler über den Modus der Online Qualifikation beschweren (bo1), wenn diejenigen sich nicht einmal die Mühe gemacht haben, bei jedem Turnier mitzuspielen und ihr Bestes zu geben?


Wer wird in diesem Jahr international die stärkste Konkurrenz für Euch darstellen? Und wie weit denkst du schafft Ihr es auf den Grand Finals?

Ich schätze den Portugiesen "LastNight" und "Csaszi" aus Ungarn als stark ein, allerdings kann man da eigentlich keinen rausnehmen, da das internationale Teilnehmerfeld insgesamt sehr stark ist, wie man letztes Jahr gesehen hat.

Nach den WCG Erfolgen der Zwillinge dachte man wohl relativ schnell, Fifa Deutschland hätte irgendwie ein Patent auf Medaillen. Hierbei war aber wohl eher die Einzelleistung ausschlaggebend, da außer den beiden seit vielen Jahren kein deutscher Spieler mehr eine Medaille geholt hat. Besonders letztes Jahr ging ja jeder davon aus, dass Deutschland gleich die Plätze 1-3 in Fifa belegt. Ich bin da eher vorsichtig und sage: Es ist bis zum Sieg für uns alles möglich, entscheidend ist aber die Leistung vor Ort.


Was hältst du so von der FIFA Version 09. Was hätte man besser machen können?

Mir gefällt 09 schon sehr gut. Es ist schnell, Fehler werden sofort bestraft und wenn man alles richtig macht, schießt man seine Tore. Es ist soweit ganz gut ausbalanciert, allerdings ist die Abwehr zu CPU-lastig. Am schlimmsten sind sicherlich die Verbindungen, da es ja nach wie vor keinen Server-Modus gibt. Dementsprechend kann man auch kein Spiel spectaten und die Replay Wiedergabe hat auch wenig Funktionen. Für den Wettbewerb muss man sich einfach Spiele anschauen können.


Du spielst ja bereits einige Jahre FIFA. Wie schafft man es sich jedes Jahr erneut zu motivieren und ganz oben mitzuspielen? Was für einen Ausgleich hast du zum Beispiel?

Es ist zwar noch ein langer Weg, aber ich versuche mir durch eSport den Berufseinstieg zu erleichtern. Es ist neben Sport und Studium fester Bestandteil meines Alltags und füllt demnach auf angenehme Weise die Stunden, die sonst für einen Nebenjob verplant wären. Ich brauch mich eigentlich nie besonders stark zu motivieren, da ich mein langfristiges Ziel vor Augen habe und dafür natürlich oben mitspielen will und muss. Außerdem reizt mich einfach der Wettbewerb. Es ist toll, immer wieder neue Herausforderungen zu erleben und auf neue Gegner zu treffen.

Im Studentenalter muss man meiner Meinung nach seinen Tag komplett füllen und darf im Idealfall selten zu viel Zeit und nie Langeweile haben. Dazu brauch man einen Sport, eine Berufsperspektive und einen Nebenverdienst. Wenn man jeden Tag so aufbaut, brauch man keinen Ausgleich und es fällt dann auch sehr leicht, sich für etwas zu motivieren, da ja genug Abwechslung vorhanden ist und man immer etwas findet, woran man arbeiten kann. Man geht dann auch nicht so nervös ins Spiel, denn wenn man verliert hat man halt noch andere Sachen in denen man gut ist, das stört dann nicht weiter.



Eine Art „Markenzeichen“ von dir ist ja der Handschuh den du immer trägst. Was genau bringt er, oder ist er einfach nur Deko?

Das Produkt heißt "gaming glove" und ist von SteelSeries. Ich habe ihn mir fast zu Kindeszeiten bestellt, um bei schnellen Shootern (quake, jedi-knight) die Reibung auf der Maus zu verringern. Angefangen mit Fifa habe ich dann bemerkt, dass andere Spieler besonders bei heißen Temperaturen manchmal vom Stick rutschen, das Problem habe ich nicht. Ansonsten kann man es Gewöhnung oder Glücksbringer nennen. *lacht*


Sagen wir, ein junger Spieler möchte in die FIFA-Szene einsteigen und ganz nach oben kommen. Was würdest du ihm für Tipps geben?

Du solltest regelmäßig und jeden Tag eine feste Anzahl an Trainingsspielen machen und dich nach jedem Spiel fragen, warum du verloren / gewonnen hast, bzw. was du im nächsten Spiel besser machen kannst. Die anderen Spieler dürfen dich nicht interessieren, du darfst erstmal nur darauf achten, was du in deiner Spielweise verbessern kannst. Wenn du zu viele Spiele verlierst, musst du deine Spielweise härter hinterfragen und darfst dann nicht anfangen, dem Spiel oder deinem Gegner die Schuld zu geben, egal wie stark der Kontrahent ist. Er ist auch nie stärker, weil er bei einem besonders guten Verein spielt. Er macht Dinge anders und du musst du heraus finden, welche das sind.
Wenn du das Gefühl hast, dein Spiel ausgereizt zu haben und keine Ideen mehr hast, wie du dich verbessern könntest, solltest du dir ein Umfeld mit festen Trainingspartnern suchen, das kann z.B. ein Clan sein. Nicht konzentrieren solltest du dich darauf, unbedingt einen besseren Verein zu finden, dafür solltest du bei jedem Wettbewerb mitmachen und durch gute Ergebnisse auf dich aufmerksam machen. Wenn der Erfolg dann nicht so schnell kommt, darfst du nicht aufgeben und musst weiter an dir arbeiten, der Rest ergibt sich.



Wie stehen eigentlich Freunde und Familie deinem Hobby gegenüber, für das du immerhin zur Weltmeisterschaft nach China reist. Gerade in Anbetracht dessen, dass Computerspiele und Computerspieler in der Öffentlichkeit gerade nicht einen sehr guten Ruf haben.

Freunde und Familie unterstützen mich natürlich und China ist im Moment häufig Gesprächsthema bei ihnen. Dadurch interessieren sich viele Bekannte näher dafür und stellen Fragen. Fußball ist natürlich nicht schwer zu erklären und ich habe mich in dieser Woche mit noch keinem unterhalten, der nicht auf Anhieb begeistert oder wenigstens positiv interessiert war. Es kommt wohl ganz darauf an, wie man sich oder die Sache verkauft und ob man dabei die Klischees erfüllt.



Vor kurzem berichteten wir das die Organisation SOS Kinderdorf Spenden von einer Gaming-Seite abgelehnt hat (http://www.wcg-europe.com/de/news/26477.htm )
Wie ist deine Meinung zu diesem Thema?

Als ich die Headline gelesen habe, war ich erstmal schockiert. Hier hat es sich jemand zur Lebensaufgabe gemacht, Kindern zu helfen und reagiert dann so offensiv auf gut gemeinte Unterstützung. Jetzt hat es sich hier wohl um keine riesenhafte Summe Geld gehandelt. Aber grundsätzlich hat das SOS Kinderdorf hier "auf Kosten der Kinder" entschieden, denn diese sind die einzigen Benachteiligten.
Abgesehen davon, dass es in der Tätigkeit eventuell schlecht ist, so zu handeln dass der einzige Verlierer die eigene Zielgruppe ist, bleibt die Aktion einfach nur dumm und egoistisch in meinen Augen. Aus meiner Sicht ist da eine Entschuldigung fällig, sonst könnte man demnächst auch losgehen und den Gebrauch von Spielplätzen untersagen. Wie jeder aus seiner eigenen Kindheit weiß, werden dort die Geräte häufig für Räuber und Gendarm genutzt und geben damit Kindern die Gelegenheit, Fantasiegewalt an realistischen Abbildern von Menschen auszuüben. Thomas Laker sei auch gebeten, den Gebrauch von Messern beim Frühstück zu unterlassen, da diese zur Gewalt genutzt werden können. Die Liste lässt sich weiter führen, dass Makabere bleibt jedoch, dass meine Beispiele sich hinter Lakers Statement nicht verstecken müssen.

 

Ich danke dir für dieses ausführliche Interview und wünsche Dir und deinen Teamkameraden viel Erfolg auf den WCG Grand Finals!

 

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 reen
309 Beiträge
#1 | 10.08.09 / 21:28
Schönes Interview! Saubere Arbeit von SK, dass sich tatsächlich alle 3 qualifiziert haben. Und Joshua gönne ich es am meisten, da es ja bislang immer ganz knapp nicht gereicht hatte...

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