Joshua Begehr, besser bekannt unter dem Nickname 'Kr0ne', konnte sich erstmals bei den WCG National Finals 2009 auf der Games Convention Online in Leipzig für die WCG Grand Finals in Chengdu (China) qualifizieren. Der gebürtige Kieler hatte es schon oft auf die National Finals geschafft, doch scheiterte leider immer kurz vor dem Ziel.
Nicht dieses Jahr! Er flog nach China, boxte sich durch die Gruppenphase, schlug den Vizeweltmeister der WCG 2008 und vollendete dann seinen Triumphzug gegen seinen Clankollegen, mehrfachen WCG-Medaillenträger und WCG Hall of Fame Mitglied Daniel 'Hero' Schellhase. Er ist der neue Weltmeister in FIFA Soccer und hat sich damit seinen Traum erfüllt.
Nun ist er wieder zurück in Deutschland und wir haben Ihn um ein Interview gebeten, welches wir Euch jetzt präsentieren möchten.
Hallo Joshua, erst einmal möchte ich dir noch mal von ganzen Herzen zu deiner tollen Leistung und deinem Erfolg gratulieren. Beschreib uns doch mal ungefähr wie man sich nun fühlt als Weltmeister in FIFA. Hast du das schon alles realisieren können?
Danke :). Ich habe es eigentlich vor Ort relativ schnell realisiert. Die Leidenschaft der Asiaten war so groß und die Stimmung so angeheizt, dass man wirklich sofort gezeigt bekommt, was in dem Moment vorher passiert ist. Ich war dort auf einmal ein Star und ich werde mich wahrscheinlich immer genau an diesen Tag erinnern können. Hier in Deutschland bin ich kein Star, aber die Reaktionen von Euch bzw. der Community und auch der Medien machen mich echt glücklich. Es haben mir sogar Leute gratuliert, mit denen ich in den Jahren auch schon Meinungsverschiedenheiten hatte. Es schmeichelt mir sehr und ich kann mich freuen. Ich bin auch allen, die sich mit mir gefreut haben dankbar. Ich arbeite seit Jahren an diesem Erfolg, dass es sich so auszahlt zeigt mir natürlich, wie wichtig es war, nicht aufzugeben.
Mit welchen Gefühl bist du vor Ort ins Turnier gestartet und wann wurde dir klar, dass du wirklich gewinnen kannst?
Eigentlich hatte ich schon nach dem National Final ein sehr gutes Gefühl. Ich habe das ganze Jahr über wirklich viel trainiert und nach der gelungenen Qualifikation auch noch einmal entscheidend an meiner Spielweise gearbeitet. Ich wusste, dass ein Einzug ins Finale realistisch ist, dass ich am Ende auch gewinnen könnte, wurde mir nach meinem Spiel gegen den Rumänen "night" im Achtelfinale klar. Er hat wirklich stark gespielt und als ich ihn geschlagen hatte war mir klar, dass ich in der Lage sein könnte gegen jeden zu gewinnen.
Im Interview vor dem WCG Grand Final sagtest du:
„In den letzten Jahren hat mir mein Kopf einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich glaube, ich wollte mich immer so unbedingt qualifizieren, dass ich mich versteift habe und zu nervös geworden bin“
Wie hast du es nun geschafft? Kopf aus oder wie ist dein persönliches Erfolgsrezept vor Ort gewesen?
Wenn man so lange von dem mentalen Problem weiß und daran arbeitet, dann besiegt man es natürlich auch irgendwann. Ich denke, dass ich in China endlich gegen mich selbst gewonnen habe, denn mit der Nervosität der letzten Jahre wäre der Titel bei Gegnern wie night, lastnight, pio, Kesar, mokosg, xaxotun oder natürlich Daniel nicht möglich gewesen, auch nicht mit Glück.
Ich hatte mich eigentlich fast jederzeit sehr gut unter Kontrolle, hab mein Lächeln behalten und mich weder groß über Treffer oder Gegentreffer geärgert oder gefreut. Ich war mit mir einfach zufrieden, das hat zu jedem Zeitpunkt des Turniers die gewisse Selbstsicherheit und innere Ruhe gegeben.
Es war außerdem relativ schnell klar, dass die Müdigkeit und Konzentration das Turnier entscheiden würde. Die Gruppenphase wurde an einem einzigen Tag komplett ausgespielt. Wir hatten dann immer nach einem Spiel 1 Stunde Pause und mussten dann weiter spielen. Entscheidend ist dann, dass man sich auch im fünften, sechsten und siebten Spiel noch konzentrieren kann. Man denkt gar nicht wie wichtig das sein kann, aber es werden dann Dinge wie die Ernährung wichtig und natürlich auch der Schlaf. Spielanalytisch holt eh jeder Spieler fast das Gleiche aus Fifa raus, bei so einem Turnier entscheiden Kleinigkeiten und der Kopf. In meinen besten Spielen habe ich überhaupt keine Emotionen gezeigt. Außerdem wollte ich den Sieg unbedingt! Die Eröffnungsfeier hatte mich stark beeindruckt und ab dann begann für mich innerlich mein persönliches kleines China Märchen. Da will man natürlich, dass es gut ausgeht *g*
Der Weltmeistertitel bringt dir rund 10.000 Dollar Preisgeld. Hast du schon eine Idee was du damit anfängst? Anlegen? Unters Kopfkissen? Shoppen? Oder ab ins Casino und alles auf „Rot“? :)
Bis auf wenige Ausnahmen lege ich alle Gelder beiseite für den späteren Berufseinstieg. Meine Weihnachtseinkäufe werden dieses Jahr ein bisschen größer ausfallen, ansonsten werde ich es natürlich genauso handhaben wie bisher.
Im Finale musstest du ja gegen deinen Clankollegen Daniel ‚Hero’ Schellhase antreten. Ihr spielt ja auch nicht erst seit gestern zusammen. Wie schwer war das für dich gegen ihn anzutreten? Immerhin kennt er quasi all deine Tricks, weiß wie du spielst, hat mit dir wahrscheinlich auch trainiert und ist zudem auch wohl einer der erfolgreichsten FIFA-Spieler der Welt. Habt Ihr vor dem Finale noch gegeneinander gespielt?
Es war für mich eher ein emotionales Problem. Es war wirklich unglaublich schwer in dieser Situation gegen einen Freund zu spielen. Es hat sich natürlich wahnsinnig gut angefühlt an einem Deutschen Finale wie zuletzt 2003 zwischen Dennis und Daniel beteiligt zu sein, nichts desto trotz wurde einem von uns der Sieg genommen und obwohl ich unglaublich gerne amtierender Weltmeister bin, mich durchaus freuen kann und mir die Erfahrung nicht nehmen lassen möchte, wäre es Teilen von mir lieber gewesen, wenn ich das Nachsehen gehabt hätte. Spielerisch kennen wir uns natürlich sehr gut, teilen die gleiche Formation, haben jedoch vor dem Finale eine Weile nicht gegeneinander gespielt, ich denke das ist verständlich.
Wie waren so deine Eindrücke von China? Hat er dir gut gefallen? Was war negativ? Hattet Ihr stellenweise Probleme mit Dingen wie Zensur oder sonstigen negativen Dingen, von denen man immer wieder im Fernsehen hört?
Wir haben von China nur die beste Seite zu sehen bekommen. Wir hatten überhaupt keine Probleme mit irgendetwas, abgesehen von dem Essen gegen Ende der Reise, das liegt nicht jedem. Man hat uns dort wirklich sehr gut behandelt, die Chinesen haben sich alle sagenhaft für die WCG ins Zeug gelegt und mit absoluter Perfektion für das Event und die Spieler gesorgt.
Ich denke leider auch, dass wir von China selbst eine ziemlich hübsche Maske zu sehen bekommen haben oder einfach das Glück hatten, unsere Erfahrungen mit der angenehmen Extreme des Landes zu machen. Interessant war natürlich, dass die ganze Stadt im WCG Fieber war. Es gab nahezu keinen Fahnenmast auf den Straßen, der keine WCG Fahne trug und schon bei der Passkontrolle wurde ich zu dem Thema angesprochen. Bei unserem Ausflug in die "Panda Base" wurde unsere Busfahrt von der Polizei eskortiert.
Wie gefiel dir die Stimmung vor Ort. Immerhin genießt der eSport in China ja wohl einen weitaus höheren Status als in Deutschland. Wie wurdet Ihr empfangen.
Als Deutsches Team ist man dort wirklich sehr anerkannt. Schon bevor dass Turnier gestartet ist, möchten die chinesischen Fans bereits Autogramme und Fotos machen, nur weil man deutscher Teilnehmer ist. Ansonsten war die Stimmung unbeschreiblich, dass muss man selbst erlebt haben um es zu verstehen. Am Finaltag müssen zur gleichen Zeit in etwa 10.000 Leute in der Halle gewesen sein, es kann sein das die Zahl weitaus höher war, aber es gab glaube ich 5.000 Sitzplätze und die Leute drängelten sich auf mehr als die doppelte Fläche dahinter um noch irgendetwas sehen zu können. Empfangen wurden wir genauso perfekt wie wir während der gesamten Zeit behandelt wurden.
Du hast nun in FIFA eigentlich alles erreicht was es gibt. Was kommt nun?
Ich bin noch nicht zufrieden. Es war wirklich toll, Weltmeister zu werden. Jetzt habe ich Blut geleckt und werde alles daran setzen, dass noch mal zu erleben und natürlich weiter an mir arbeiten. Ich bin erst der Spieler, der ich sein möchte, wenn ich das noch einmal geschafft habe. Da ich erst 21 bin, habe ich noch einige Jahre vor mir, in denen ich wirklich Gas geben und Erfolge feiern möchte!
Wir können uns also schon auf die nächste WCG Saison freuen! Ich danke dir für das Interview. Für alle Fans die das Finalspiel Krone vs. Hero nicht sehen konnten, haben wir hier noch mal das Video bereitgestellt. Viel Spaß beim gucken!