
Längst haben die eifrigen Xbox-Spieler verstanden, was der so genannte eSports für Vorzüge haben kann. Da wären die Sponsoren für Clanshirts, Hardware und Fahrtkosten, aber auch Preisgelder und Sachpreise auf großen Turnieren. Die erfolgreichen Spieler können so einen kleinen Nebenverdienst einfahren und auch mal ein großes Event zu Gesicht bekommen.
Mit steigender Aufmerksamkeit auf solchen Events wie der SEC auf der CeBIT werden die Konsolen-Spieler immer mehr aus dem Schatten der PC-Spieler in den Vordergrund gerückt. Große Persönlichkeiten wie The Tactical als DoA-Akteur und fester Bestandteil des WCG Nationalteams aus Deutschland stehen schon auf Augenhöhe mit den Kollegen von WCIII, CS und Co. Eigentlich ein gutes Zeichen, oder?
Doch es scheint ein fader Beigeschmack zu sein. Irgendwie wollen sich die Xboxler gar nicht mit den typischen eSportlern vergleichen lassen, sondern trotz der ihnen gebotenen Möglichkeiten lieber in ihrer kleinen Szene bleiben. Und ist die Xbox3650 überhaupt eSports-fähig?
Wo liegt das Problem? Microsoft tut viel, damit die Xbox-Titel Jahr für Jahr konkurrenzfähig bleiben und Spiele wie Projekt Gotham Racing und Dead or Alive trotz oder gerade wegen ihres eigenen Flairs auf der Konsole in den Ligen wie der World Cyber Games große Beachtung finden. "
Microsoft liefert das Fundament mit der Xbox 360 und den Xbox-Live Servern. Insofern haben sie schon alles richtig gemacht!" bestätigt
Tobias Schulte, Head of Xboxdynasty.de, der wohl bekanntesten Xbox Szene-Seite im deutschsprachigen Internet.
Und obwohl Microsoft eher die Plattform als spezifische Spieletitel liefert, wird eine aktive Community-Arbeit geleistet, von der die gesamte Xbox-Gemeinde profitiert: "W
ir veranstalten aber auch Wettkämpfe zu den populärsten Spielen, unterstützen Xbox Fanseiten bei der Organisation eigener Turniere, küren jeden Monat den Clan des Monats, organisieren Clan-Treffen zum Beispiel auf der Games Convention und unterstützen Organisationen wie die WCG damit diese Xbox Teilnehmer zu den weltweiten Finals senden können" so
Frank Halgasch, Product Manager Xbox Live.
Auf eben solchen Events kommt es dann zum direkten Vergleich mit den PC-Spielern und ist oftmals dort sehr gut zu beobachten. Denn die LCD-TV Geräte, an denen diese Gamer ihre Rennen fahren oder gegeneinander mit Gamepad in der Hand kämpfen, stehen nur wenige Meter von den sich in der Überzahl befindenden PC-Monitoren im Gaming-Room entfernt. Und obwohl die Xbox-Akteure nur einen Bruchteil der Teilnehmer ausmachen, fallen sie trotz ihrer ruhigen und bodenständigen Art auf.
Dennoch dürfen solche Szenarien nicht vom eigentlichen Problem ablenken, die fehlende Unterstützung auf der höchsten Ebene. Die besten und semi-professionellen Konsolen-Jäger lassen sich an einer Hand abzählen. Diejenigen mit einem Gehalt vom Clan, das jedoch deutlich unter dem für die PC-Gamer liegt, sind sogar noch seltener. Hingegen kann die breite Masse der Xbox-Spieler nicht mal einen Blumentopf gewinnen und zahlt den Eintritt oder sogar die Anfahrt zum Event aus der eigenen Tasche.
Trainiert wird ( noch ) kaum 
Auf dem Turnier angekommen, zeigen sich die nächsten Unterschiede. Die Kluft in Sachen Trainingspensum und Engagement ist enorm. Viele Spieler trainieren nicht wirklich, sondern "daddeln" ein paar Stunden pro Woche. Nur die wenigsten können von sich behaupten, ernsthaft zu trainieren und sich Taktiken zu überlegen, eventuell sogar auf den Gegner vorzubereiten. Auf nationaler Ebene mag dieses noch erlaubt sein, auf den WCG Grand Finals trifft der Akteur jedoch auf Konkurrenz aus Asien und den USA und die sind bekanntlich jeden Tag mehrere Stunden üben.
Allerdings gilt: Jeder Sportler trainiert für ein Ziel. Was für dem einen der Marathon ist, ist für den anderen die größte Liga und das große Preisgeld. Obwohl Preisgeld in der Szene eher zweitrangig ist und der Spaß, wie alle immer bestätigen, im Vordergrund steht, gibt es zunehmend Turniere und Cups mit Preisen und Prämien. Nicht nur die WCG mit aktuell vier Disziplinen, die im Preisgeld anderen PC-Disziplinen in Nichts nachstehen, unterstützt auf diesem Weg die Konsolen-Community. Auch innerhalb der Szene sind kleinere Ligen und Events gegeben, die teilweise einige Hundert Euros auszahlen.
Darum ist es umso fragwürdiger, warum die Spieler immer noch nicht die richtige Bedeutung erkannt haben und sich professionell auf Turniere vorbereiten. Vor allem bei dieser kleinen Teilnehmerzahl ist die Wahrscheinlichkeit auf einen Sieg und Preise deutlich höher als bei den herkömmlichen Wettbewerben im PC-Markt, wo auch die beste Mannschaft und der beste Spieler mal einen schlechten Tag erwischen kann und plötzlich in der Vorrunde rausfliegt.
Allerdings geht es im Hinblick auf die Vorbereitung in Deutschland langsam voran, wie Rudolf Fischer alias
THE TACTICAL im Interview mit der WCG bestätigt: "
Es werden immer mehr, die an Wettkämpfen teilnehmen wollen und sich mit anderen auf professioneller Ebene messen wollen. Meiner Meinung nach kann man ganz klar sagen, dass Xbox-Titel zum eSport dazugehören".
Bessere Chancengleichheit oder etwa nicht? Eigentlich könnte die Konsole wie die Xbox360 das ideale Gefährt auf der eSports-Rennbahn sein. Alle Welt schreit nach Chancengleichheit, Fairness und Balance - Die Xbox360 Konsole besitzt all dieses. Während kein Personalcomputer gleich einem anderen ist und Configs, Internetanbindungen, Windowseinstellungen und Treiber fast unendlich viele Verzerrungen und Lücken offen lassen, ist jede Konsole und jedes Eingabegerät identisch. Große Veränderungen und gar Tricks sind gar nicht erst denkbar. Auf der Konsole entscheidet nur der Spieler und seine Leistung, aber weder die Hardware noch die Einstellung. Damit besitzt die Xbox einen gigantischen Vorteil gegenüber dem PC, der sich nicht von der Hand weisen lässt: "
Ein Großteil der Top-Games erscheinen nur oder als erstes für Konsolen, und wenn ich mich mit meinen Freunden in einem Turnier messen will, haben alle die gleichen Hardwaretechnischen Voraussetzungen" verdeutlicht Frank Halgasch, Product Manager Xbox Live.
Schließlich darf auch ein weiterer Faktor nicht vergessen werden. Mit der Konsole vor dem heimischen PC lässt sich eigentlich auch angenehmer und familienfreundlicher Spielen: "
Mit meiner Konsole sitze ich entspannt auf meinem Sofa vor dem großen TV und nicht am Schreibtisch vor einem kleinen Monitor" bekräftigt Frank Halgasch.
Doch ist nicht alles gleich perfekt. Trotz neuster Technik und dem Support von Microsoft und vielen Mitgliedern der Community fehlt es in der Xbox-Szene an einigen einheitlichen Maßstäben. So sind es oftmals die Screenshots von dem Endresultat, der Zuschauer-Modus für die Öffentlichkeit und dem Admin und allgemeine Systeme und Tools, die vermisst werden. Und so werden auch schnell die Nachteile einer Konsole deutlich. Wie soll ein Turnieradmin das richtige Resultat einer Partie sehen und wie soll generelle Sicherheit gegen Betrüger in einer Liga gewährleistet werden? Wo sind die Kontrollen, die bei PC-Spielen in Form von Anticheat-Tools und vergleichbare Erkennungssoftware längst Gang und Gebe sind?
Das Problem sieht auch Tobias Schulte: "
Doch neben den Vorteilen krankt der eSports auf der Xbox 360 leider noch an vielen Stellen". Auffallend ist hier die Beweisproblematik bei Turnieren, die schon skurrile Methoden verlangt: "
Es führt sogar soweit, dass Spieler aufgefordert werden mit ihrer Digitalkamera ein Bild von ihrem Fernseher und dem Ergebnis zu schießen" gesteht er ein. Da muss noch einiges getan werden.
Viele dieser Dinge muss die Xbox als Plattform selbst entwickeln und integrieren, vieles lastet aber auch auf den Entwicklerstudios der Games. Denn Microsoft liegt lediglich den Grundstein hierfür: "
In unseren Augen ist es wichtig die richtige Hardware und einen leistungsfähigen Online-Service bereitzustellen, um Entwicklern die Möglichkeit zu geben, ihr Spiel für die jeweilige Zielgruppe zu optimieren" sagt Frank Halgasch und begründet damit die weiterführende Arbeit und Verantwortung der Entwickler.
Es fehlt die Anerkennung
Ähnlich verhält es sich mit dem wohl größten Manko: Die fehlende Anerkennung. "
In der Xbox eSports Szene an sich fehlt die Anerkennung für Webseitenbetreiber, die freiwillig in ihrer Freizeit für die Community und den Xbox 360 eSports Turniere oder Lan-Partys ins Leben rufen. Auch verdient die Xbox eSports Szene auf jeden Fall viel mehr Anerkennung" stellt Tobias Schulte fest. Immerhin richtet Xboxdynasty neben der Newssite auch einige Turniere aus und ist somit mehrgleisig aktiv.
Von den PC-Spielern belächelt, von den Medien als "Daddel-Kids" bezeichnet und nie wirklich ernst genommen, findet dieses Phänomen nicht nur extern, sondern selbst intern statt. Auch innerhalb der noch kleinen Community sind die wenigsten Spieler und Helfer bereit, ihre Arbeitskraft zu investieren. Webseiten, Organisation und Sponsorengespräche werden kaum bis gar nicht in Angriff genommen. Wofür? Es entsteht der Eindruck als würden die Clans sich und die Arbeit kaum ernst nehmen. So gesehen bremst sich die Szene selbst aus.
Es hapert an der Vermarktung und der generellen Präsenz. Konsolen sind nun mal nicht so im Internet wie der Computer und die Szene ist schlecht bis kaum untereinander verbunden. Auch ist sie trotz der vermeintlich hohen Zahl der Besitzer solcher Konsolen recht klein, da sich die meisten darauf beschränken, am heimischen TV und ohne Internet Casual-Games im Singlemodus zu spielen, aber nicht um den Multiplayer zu kümmern.
Das sieht auch Tobias Schulte: "
Ich denke, da gibt es vielerlei Gründe, aber ausschlaggebend ist sicher die Reichweite. Ein Clan am PC hat viel mehr Möglichkeiten sich zu vermarkten und zu beweisen. Xbox Spieler stehen da eher im Schatten und spielen in "unbedeuteten" Turnieren mit".
Dennoch ist ein Wachstum zu erkennen, das auch Rudolf Fischer erkennt: "
Es gibt auch langsam professionelle Clans, die sich von anderen unterscheiden wie in der PC-Szene. So was gehört zu einer großen Community auch dazu und somit merkt man, dass sich alles gut entwickelt und nicht irgendwo stehen bleibt."
Was ist die Zukunft? Die Zukunft ist die Konsole, mag man meinen. Zumindest sind die bloßen und faktischen Voraussetzungen dafür gegeben. Bessere Chancengleichheit bei weniger Aufwand und Kosten und einer überraschenden Einfachheit sind der entscheidende Vorteil gegenüber dem PC. Das will auch Microsoft weiter ausbauen und das Spielen bzw. das Multimedia-Angebot noch attraktiver machen: "
Microsoft sieht die Zukunft eher in einem vernetzten Service. Der Endkunde wird verschiedene Geräte wie den PC, die Konsole oder ein Mobiles Gerät in verschiedenen Situationen verwenden" verrät Frank Halgasch abschließend.
Mit wachsender Anerkennung und fortschreitender Technik sowie Software sollte die Xbox360 schon in Kürze eine vergleichsweise gute eSports-Fähigkeit besitzen. Und alles weitere wie Sponsoren, Medieninteresse und Preisgelder kommt bekanntlich von allein, wie die Vergangenheit klar gezeigt hat. Die Zukunft sieht also rosig aus.