Was ein Uli Hoeness kann, das kann ich schon lange! Wer so denkt, der ist mit dem neuen EA Fußball Manager 2008 sehr gut bedient. Denn noch nie war ein Manager-Spiel in der virtuellen Welt des Fußballs derart ausgereift und umfangreich, wie das neuste Stück aus dem Hause EA, das Anfang November in Deutschland erschienen ist: Trainer, Taktiker, Banker und Spieler in einem – das gab’s in dieser Feinheit noch nie. Aber wie sieht das Spiel im Detail aus? Wir haben es für euch getestet und können euch nun einige Punkte vorstellen.
Lizenzen, Daten, Namen
Auffällig ist sofort, dass EA wieder einmal tief in die Tasche gegriffen hat und sich sämtliche Lizenzen in Europa gekauft hat und von Spieler- und Stadionnamen bis hin zur Tageszeitung alles an originalen Daten verfügt. Das erhöht den Spielspaß enorm, denn wer spielt gern mit Kunstnamen?
Der beigefügte Editor ermöglicht dennoch die Veränderungen von Namen, Stärken, Spielerkader und Co. Wer´s unbedingt braucht, kann sich so im Vorfeld eine Traummannschaft zusammenbauen, doch ist dies in der Community nicht gern gesehen und – seien wir mal ehrlich – es nimmt auch ein wenig den Reiz des Spiels. Daher sollte man den „EA-Bonus“ ruhig ausnutzen und alles aktuell auf Stand der 07/08 Saison national wie international belassen.
Modus – du hast die Wahl
Am Anfang des Spielstarts kann der Modus gewählt werden. Was will der Benutzer? Ob Manager oder Spieler-Trainer sowie welches Land und welcher Verein. Wie schon in den vielen Vorgängern hat der Benutzer sämtliche Möglichkeiten. Von Regionalliga bis zum Verein aus der 1. Liga in Italien ist alles realisierbar.
Passend dazu kann sich der Benutzer noch sein eigens Profil erstellen und auch wenn gewünscht ein eigenes Foto von sich hochladen, das fortan im Spiel selber auftaucht.
Finanzen – Der Schlüssel zum Erfolg
Endlich auf dem Chefsessel im Vereinshaus angekommen, bekommt man auch gleich die erste schwere Aufgabe. Es geht an die Finanzen. Anders als bei älteren Fußball-Manager Games bekommt der Benutzer bei dem EA Fußball Manager strenge Vorgaben des Budgets: Gehälter, Infrastruktur, Transfer und Sonstiges sind exakt bemessen und lassen sich nur schwer noch verteilen, sofern der Vorstand dagegen ist und an ihren Vorgaben festhalten möchte. Also, wie viel Geld darf ich ausgeben? An dem Budget wird sich sowohl die Leistung des Vereins als auch die des Managers messen müssen.
Doch wer gut wirtschaftet sollte die Kalkulation einhalten können und durch gute Leistungen im internationalen Wettbewerb oder beim Fanartikel-Verkauf noch ein paar Euros mehr erhalten. Beachtet man jedoch die Gehälter oder Transferausgaben nicht, kann es am Ende der Saison ein böses und unerwartetes Ende geben.
Der Vorteil: Verdient der Verein im ersten Jahr viel Geld, wird dieses im Budget des Folgejahres mitberücksichtigt. Vielleicht reicht es dann für den Traumspieler? Zur Not müssen Kredit oder Festanlagen hier, denn selbstverständlich ist auch dieses Möglich. Und das größte Ziel sollte der Börsengang sein.
Schwaches Menü, tolle Grafik
Das Menü ist im Vergleich zu früheren Fussball-Managern sehr schlicht gehalten. Statt 3D-Oberfläche oder einem virtuellen Schreibtisch bekommt der Benutzer lediglich ein Pulldown-Menü und eine Art Shortcust-Leiste im Stil eines Betriebsystems. Gleichsam verhält es sich mit dem News-System, das an ein Email-Programm erinnert.
Umso besser sind da schon die Profile der Spieler. Mit original ausgeschnittenem Foto des Spielers im aktuellem Trikot und zahlreiche Unterseiten mit Infos zur Person, Talent und Spielstärke bieten jedem Fan von Statistiken genug Stoff. Per Mausklick gelangt der Benutzer schnell in weitere dazugehörige Bereiche wie Einzelgespräch oder die Vertragsverlängerung.
Prinzipiell beinhaltet das Spiel an allen Ecken und Kanten schicke Grafiken und echte Fotos, die ein wenig Realität ins Ganze bringen. Von den Stadien und Städten sowie allen Spielern gibt es echtes Fotomaterial. Auch sieht die Kicker-Tageszeitschrift im Stil einer echten Internetseite ganz ansehnlich aus. Und lustige Fotos mit Statistiken (Absteiger, Aufsteiger ) untermalt sorgen für vordergründige Abwechslung.
Spieler, Taktiken, Aufstellung
Das Herzstück eines jeden Fussball-Managers sind natürlich die Aufstellung sowie Taktik bzw. das Training. Die Aufstellung lässt sich manuell oder mit Hilfe von einem automatischen System, für das man Grundregeln einstellt, oder von dem Co-Trainer machen. Diverse Zusätze, Ansagen, Taktiken und sogar Laufwege können bis ins Detail geregelt werden, das ist schon sehr professionell und realistisch. Neben den üblichen Funktionen sticht vor allem das persönliche des Spielers ins Auge.
Das Training kommt in seinem Umfang ebenso nicht zu kurz. Bis zur jüngsten Jugendmannschaft kann jeder Spieler einzeln trainiert und beobachtet werden. Ein Trainingslager kann gar für die kleinsten im Club gebucht werden. Der Fortschritt des Trainings in seinen Fähigkeiten zeigt, wie detailgetreu EA hier gearbeitet hat.
Ein neues Feature in der aktuellen 08-Ausgabe ist das Jugendcamp, das nun auch in anderen Nationen im Rest der Welt gebaut werden kann. Je nach Klasse, Trainer und Kasse kann so vielleicht der neue Ronaldo gefunden werden. Doch verbirgt sich dahinter auch ein Risiko, viel Geld zu verlieren.
Infrastruktur und Stadion
Damit ein Verein auch abseits des Platzes gut wirtschaften kann, benötigt dieser natürlich eine gute Infrastruktur. Darunter fallen neben Shop und eignem Krankenhaus auch viele weitere Gebäude wie das Trainingscenter und Pressecenter. Zwar sind mit den knapp acht Gebäudetypen weniger als bei anderen Fussball-Manager Spielen hier vorzufinden, doch lassen sich diese auf viele Stufen updaten. Insofern kommt eine vergleichsweise hohe Varianz ins Spiel und alles bleibt dennoch beim wesentlichen Gegenstand des Fußballs.
Das Stadion hingegen ist sehr kompliziert und schon fast ein wenig zu aufwendig in Sachen Ausbau und Aufbau. Jeder Block kann manuell vergrößert und in verschiedene Positionen gebracht werden. Fast alle Elemente können verändert werden. Wer hier einen ordentlichen Umbau plant, braucht schon gut und gerne 20 Minuten bis alles stimmt. Das wirkt auf dem ersten Blick abstoßend. Ein wenig mehr Einfachheit hätte nicht geschadet. Wer sich aber eingearbeitet hat, wird mit dem Menüpunkt zu Recht kommen und viel Freude haben.
Live oder Ticker
Ein weiterer Grundfeiler des Spiels ist der „Live-Modus“. Mit neuster 3D-Techik kann das Spiel live v erfolgt werden, sogar mit seinem Spielertrainer gespielt werden. Während in der frühen Geschichte des Genres hier oft das Spiel an seine Grenzen gestoßen war und hollprige, unrealistische und vor allem weniger abwechslungsreiche Spielsequenzen die Spielfreude einbremsten, ist das bei EA Fussball Manager 2008 nicht der Fall.
Wer jedoch schnell spielen möchte und mehr Wert auf Karriere und das Management legt, kann mit dem Ticker-Modus oder dem schnellsten Modus in wenigen Sekunden das Ergebnis sehen, wenn gewünscht schnellartig einen Einfluss auf das Spiel seiner Mannschaft nehmen. Ansonsten regelt alles der Co-Trainer und es kann schnell weitergehen.
Privater Bereich – Die Karriere
Jeder Mensch hat ein Privatleben, natürlich auch der Manager eines Fußball-Clubs. Hier findet der Benutzer das Gehalt, die Hobbys ( Wer erfolgreich sein will, muss auch Golfen können! ) und die private Lebenssituation. Freundin, Frau und Kinder – alles kann und wird es geben, man muss sich nur gedulden. Sollte man in späterer Lebensphase mit Frau und Kind stecken, darf das Privatleben natürlich nicht unter dem Beruf leiden. Machen sie ihrer Frau also öfters ein Geschenk und auch nicht den Geburtstag vergessen.
Um aber auch unabhängig dessen das Leben lebenswert zu machen, kann sich der Manager je nach finanzieller Lage Häuser, Autos und Luxusartikel kaufen. Braucht nicht jeder von uns goldene Wasserhähne? Damit solche Luxus-Probleme Wirklichkeit werden, sorgt nicht nur das Gehalt, sondern auch der eine oder andere private Sponsor, der mit der Zeit kommt. Wer noch mehr Geld hat und nicht weiß, wohin damit, der kann sich ja vielleicht eines Tages seinen eigenen Verein kaufen.
Das einzige was hier fehlt, sind die Banken und die Börse. Das gab es schon bei älteren Spielern und war oft gern gesehen.
Spielablauf – Die Zeit läuft!
Für viele Spieler solcher Manager-Titel gilt die Devise: „Schnell weiterkommen!“. Für die echten Freaks und Anhänger sind 10-Ingame-Jahre nichts, der eine oder andere zockt das Spiel schon mal bis ins Jahre 2038. Doch geht der Anreiz dann verloren, wenn der Spielablauf öde und die Computer-KI grausam ist, so dass eine Mannschaft wie Real Madrid nach einigen Jahren plötzlich in der 3. Liga steht und Armenien Weltmeister wird. Hier scheint auf dem ersten Blick (nach rund 10 Stunden Spielzeit, Anmerkung d. R.) ein realistisches System im rahmen der Möglichkeiten gefunden. Ganz lässt sich so etwas nie eingrenzen und es würde auch auf der anderen Seite langweilig sein.
Mit Weltmeister- und Europameisterschaften, 5-Jahres Wertung und Jahres-Ab/Aufwertungen der Spieler (1. Liga bis zur Jugendmannschaft) bleibt das Spiel aktuell und frisch.
Aber auch das aktuelle Spielgeschehen, der so genannte Alltag eines Managers ist selbstverständlich geregelt. Der Transfermarkt ist einigermaßen aktiv, auch die anderen Clubs in der Welt sind aktiv und kaufen bzw. verkaufen Spieler. Die Preise und Wertvorstellungen der Spieler sind im Vergleich zu früheren Zeiten des Genres sehr realistisch. Ein Ribery vom FC Bayern München ist der wertvollste Spieler der Bundesliga (im ersten Jahr) und kostet rund 40 Millionen Euro. Sein Gehalt beläuft sich auf knapp 4 Millionen Euro und wer ihn kaufen will, muss erstens ein Topclan sein und zweitens mehr als 40 Millionen Euro für ihn auf den Tisch legen. Die Zahlen zeigen, dass trotz aller Geheimnisse und Differenzen zum echten Fußball dieser ganz gut nachgebildet wird. Denn kleiner Mannschaften können sich gute Spieler kaum leisten und selbst wenn, wird dieser zu ihnen aufgrund des Namens und Image nicht wechseln. Zudem sind einige interessante Notizen („Spieler würde gerne wechseln“) und Varianten im Profil des einzelnen Fußballers, die auf den Wechsel einen recht hohen Einfluss ausüben. Freundschaften zu Trainer und Club durch frühere Zusammenarbeit sind ebenso ganz nützlich.
Dank eines sehr guten Statistik-Tools lassen sich alle erdenklichen Daten der Spieltage, Tabellen und Rankings zusammenfassen und einsehen. Eine sehr nützliche Funktion im Hinblick auf Daten und Auswertungen. Die regelmäßigen Statistiken der Tageszeitung "Kicker" (Spieler des Monats, Aufsteiger der Saison, Teuerste Spieler der Bundesliga, ..) runden das ganze Pogramm für den Wissbegierigen ab.
Systemvorrausetzung:
Was gut ist, braucht auch Platz. Das Motto ist auch beim EA Fußball Manager 2008 zutreffend. Mit mehr als 3 GB Speicherplatz und notwendigen 1 GB Ram ist das Spiel unterwegs. Lange Warte- und Ladezeiten sind keine Seltenheit. Ebenfalls stürzte das Spiel beim Test mehrmals ab (Windows XP, SP 1, Anm. d. R.).
Offizielle Angaben:
1,3 GHz Intel Pentium III oder gleichwertiger Prozessor
512 MB Arbeitsspeicher
32 MB (AGP/PCI-E) Grafikkarte, 64 MB empfohlen
3.5 GB verfügbarer Festplattenspeicher
8-fach DVD-ROM-Laufwerk
DirectX 9.0c-kompatible Soundkarte
Was fehlt?
Eigentlich ist doch alles perfekt, oder? Der EA Fußball Manager 08 besitzt eigentlich alles, was ein Spiel aus diesem Genre haben muss. Das einzige Manko: Es fehlt der Multiplayer-Modus. Weder im LAN noch Online kann gegeneinander gespielt werden. Das ist im heutigen Zeitalter des Online-Gamings natürlich eine große Schwachstelle. Allerdings lässt sich momentan aufgrund der Berechnung und dem freien, individuellen Spielgeschehen kein Multiplayer-Modus in einem Fußball Manager realisieren. „Auf jeden Fall gibt es in diese Richtung derzeit keine konkreten Pläne“ bestätigte der Chef-Entwickler Gerald Köhler im Interview gegenüber FM-Arena.de. ( -> Interview )
Das Fazit: EA bzw. Bright Future in Köln haben mit dem EA Fußball Manager 2008 sehr gute Arbeit geleistet und können alle Trümpfe ausschöpfen. Das Spiel besitzt eine intelligente Storyline, viele Anreize und ist realistisch gestaltet. Hunderte von Einstellungsmöglichkeiten lassen nie Langeweile aufkommen und sorgen für Perfektionismus pur.
Durch Aufgabenverteilung und weitere Einstellungen ist ein schneller und sehr indididueller Spielbetrieb möglich, der sowohl den langsamen als auch den schnellen Spielern entgegen kommt. Insofern ist entgegen früheren Versionen ein idealer Manager für jedermann entstanden.
Das Spiel ist daher ein absoluter Tipp für Fans dieses Genres.
Wertung:

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Autor: Conrad S. Conrad
Bilder: Conrad S. Conrad